Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

Haben Autorinnen einen Gottkomplex?

Blogbeitrag: Haben AutorInnen einen Gottkomplex?

Der „Gottkomplex“ ist kein Fachbegriff sondern umgangssprachlich für eine Haltung, bei der sich jemand außergewöhnlich mächtig, überlegen oder unfehlbar fühlt. Dabei kann eine Person auch den Hang entwickeln, keine Kritik zulassen zu wollen und verhält sich, als hätte sie Kontrolle über andere oder wüsste immer, was richtig ist – ähnlich wie man sich einen allmächtigen „Gott“ vorstellt. Der Begriff wird für AutorInnen oft scherzhaft benutzt: Weil wir über das Schicksal unserer Figuren entscheiden, sagt man manchmal augenzwinkernd, wir hätten einen „Gottkomplex“.

Hand aufs Herz, das klingt schon ein bisschen nach uns, oder?

Stellst du dir dich auch manchmal über deinen Laptop gebeugt vor, die Fingerknöchel knackend und mit einem teuflischen Grinsen im Gesicht? Wie oft hast du schon entschieden, wer sich verliebt, wessen Herz gebrochen wird und wer am Ende sterben muss? Wie oft hast du deine Figuren stolpern und leiden lassen und ihnen dann großzügig ein Happy End geschenkt (oder auch nicht)?

Wir erschaffen Welten aus dem Nichts. Wir bestimmen über Schicksale. Wir entscheiden, wer existiert darf und wer nie das Licht einer Buchseite erblicken wird. Aber haben wir AutorInnen deshalb tatsächlich einen Gottkomplex? Oder steckt etwas ganz anderes dahinter?

Die Macht der SchriftstellerIn

Wenn wir schreiben, erschaffen wir etwas, das vorher nicht existiert hat. Eine leere Seite wird zu einer Stadt. Aus Namen werden Menschen, eine Familie und Freunde. Aus einer Idee entsteht eine ganze Welt. In diesem Moment besitzen wir eine enorme kreative Macht.

Wir bestimmen:

  • Wer unsere Romanfiguren sind
  • Welche Herausforderungen die Charaktere erleben
  • Wen die ProtagonistInnen lieben
  • Wovor die Figuren Angst haben
  • Was die Buchcharaktere antreibt
  • Ob sie Erfolg haben oder scheitern

Für Außenstehende klingt das manchmal tatsächlich nach göttlicher Allmacht. Doch jede AutorIn weiß: Die Wahrheit sieht oft anders aus.

Der Moment, in dem die Romanfiguren ein Eigenleben entwickeln

Irgendwann passiert etwas Verrücktes. Du hast einen genialen Plot ausgearbeitet. Jede Szene sitzt. Jeder Handlungsstrang ist geplant. Und dann tut deine Hauptfigur etwas völlig Unerwartetes. Sarah J. Maas sagte in einem Podcast einmal, dass die allseits beliebte Figur des Rhysands in der Romantasy Buchreihe „Das Reich der sieben Höfe“ einfach in einer Szene aufgetaucht sei – das veränderte die komplette Geschichte und gab eine vollkommen neue Richtung für den Plot und die Protagonistin vor. Oder plötzlich funktioniert die geplante Szene nicht mehr. Die Figur weigert sich praktisch, das zu tun, was du vorgesehen hast. Natürlich existiert sie nur in deinem Kopf. Trotzdem kennen viele AutorInnen dieses Gefühl. Die Geschichte entwickelt ein Eigenleben.

Und genau in diesem Moment beginnt die vermeintliche Allmacht zu bröckeln.

AutorInnen sind eher GärtnerInnen als Götter

Die amerikanische Autorin Martha Wells sagte einmal sinngemäß, dass Geschichten eher wachsen als gebaut werden. Vielleicht sind wir AutorInnen deshalb weniger Götter als vielmehr GärtnerInnen. Wir schaffen die Bedingungen. Wir pflanzen Ideen. Wir pflegen Figuren. Aber wir können nicht immer kontrollieren, in welche Richtung sich alles entwickelt. Jeder Schreibprozess enthält Überraschungen. Manche der schönsten Szenen entstehen ungeplant. Manche Figuren entwickeln sich völlig anders als erwartet. Manchmal übernimmt die Geschichte selbst die Führung.

Warum wir unsere Romanfiguren leiden lassen

Ein Argument für den Gottkomplex scheint allerdings schwer zu widerlegen: Warum sind AutorInnen so grausam zu ihren Figuren? Kaum hat die Protagonistin ihr Ziel erreicht, wartet die nächste Katastrophe. Kaum haben die Turteltauben zusammengefunden, folgt das Chaos. Kaum scheint alles gut zu werden, wird jemand unheilbar krank. Aus Sicht der Buchcharaketer wirken AutorInnen vermutlich wie ziemlich launische Gottheiten. Der Grund dafür ist jedoch einfach: Geschichten brauchen Konflikte. Ohne Herausforderungen gibt es keine Entwicklung. Ohne Hindernisse keine Spannung. Und ohne Schmerz oft keine Transformation. Wenn wir unsere Romanfiguren leiden lassen, tun wir das nicht aus Bosheit. Wir tun es, weil Wachstum selten bequem ist.

Der wahre Gottkomplex

Vielleicht zeigt sich der eigentliche Gottkomplex gar nicht darin, dass wir Welten erschaffen.

Vielleicht zeigt er sich eher in dem Aspekt, dass wir alles kontrollieren müssten. Viele AutorInnen kämpfen mit Perfektionismus. Sie möchten jede Szene perfekt schreiben. Jede Entscheidung richtig treffen. Den Plot schon von Anfang an perfekt und schlüssig aufsetzen. Doch Schreiben funktioniert selten auf diese Weise. Kreativität liebt Umwege. Geschichten entwickeln sich oft dort am besten, wo wir Kontrolle loslassen. In vielen Fällen müssen wir unseren Romanfiguren zuhören, statt ihnen ständig vorzuschreiben, was sie tun sollen.

Schreiben als Akt der Demut

Je länger viele AutorInnen schreiben, desto mehr stellen sie fest: Die besten Geschichten entstehen oft nicht durch Kontrolle, sondern durch Vertrauen. Vertrauen in den Prozess, die eigene Kreativität und darauf, dass noch nicht jede Antwort bekannt sein muss. Das hat erstaunlich wenig mit einem Gottkomplex zu tun. Und sehr viel mit Demut.

Abschließende Worte

Haben AutorInnen nun einen Gottkomplex?

Vielleicht ein kleines bisschen. Schließlich erschaffen wir ganze Universen, bestimmen über Schicksale und lassen Romanfiguren nach Belieben glücklich oder unglücklich werden. Doch die meisten von uns wissen auch, wie oft Geschichten uns überraschen. Wie oft Romanfiguren ihre eigenen Wege gehen. Und wie wenig Kontrolle wir manchmal tatsächlich besitzen. Vielleicht sind AutorInnen deshalb keine Götter. Vielleicht sind wir eher EntdeckerInnen unbekannter Welten.

Du willst endlich die Göttin deiner eigenen geschriebenen Welten sein?

Doch du spürst, du möchtest Unterstützung? Wir haben genau das Richtige für dich: In unserem Online Kurs, dem Wortreich Campus, geben wir dir alles an die Hand, was du zum Buch Schreiben brauchst: Du bekommst das schriftstellerische Wissen an die Hand wie Plotten, Dramaturgie, Recherche usw., Herangehensweisen, um deine Schreibroutine zu etablieren und entwickelst das notwendige Creative Mindset, um die Ziele mit deinem Buchprojekt zu definieren und dann Schritt für Schritt in die Realität umzusetzen.

Bereit deinen Traum vom eigenen Roman anzugehen? Dann buche dir gleich ein kostenloses – und komplett unverbindliches – Geschichtengespräch mit Vanessa. Ihr lernt euch kennen und du bekommst erste Impulse, wo auch immer du auf deiner Autorenreise gerade bist.

>> Gleich ein kostenloses Geschichtengespräch vereinbaren!

Veröffentlicht am Ein Kommentar

Tipps, wie du beim Schreiben deine Muse findest

Viele kreative Potenziale beim Schreiben entstehen in der Interaktion mit Musen, die uns inspirieren.

Inspiration ist ein fast unbestimmbarer, jedoch unzertrennlicher Aspekt des kreativen Prozesses. Gerne schaue ich in andere kulturelle Phänomene, um praktische Anleitungen für meinen Schreiballtag zu finden. Im Jahr 2018 bin ich in die Welt des Alten Griechenlandes abgetaucht und eine Anschauung finde ich interessant und nutzbar. Die Menschen dieser Zeit glaubten, dass jede Erschaffung, egal ob artistisch oder wissenschaftlich, motiviert war von den Göttinnen, die als buchstäbliche Verkörperung der Inspiration angesehen wurden. Das waren die Musen – die Vermittlerinnen des kreativen Funkens.

Wer ist deine Muse?

Ein interessantes Konzept, wenn du mich fragst. Auch wenn sie in unserem Zeitalter andere diverse Formen annehmen. Wie treffen wir unsere Musen in der heutigen Zeit? Es kann deine beste Freundin sein. Es kann deine Mentor:in sein. Ein Speaker. Rücken wir weg von Personen. Dein derzeitiger Lebensstil kann als Muse dienen. Ein Bild, das in deinem Wohnzimmer hängt. Ein Musikstück. Ein Buch, das dein Leben verändert hat. Die Liste wird länger und länger, je öfter du dich mit deiner Muse verbindest. All das hat das Potenzial, unseren Geist aufzuwecken und auf Wanderschaft zu schicken. Als Autor:innen verlassen wir uns auf Musen, die unsere Tatkraft während des kreativen Prozesses bestärken.

Kontakt zur Muse

Viele Menschen gehen ahnungslos durch das Leben. Ohne direkten Kontakt zu ihrer Muse. Dieser Mangel an Wahrnehmung kann entstehen durch den Glauben, dass wir nur eine Muse haben, die mit uns durch unser Leben geht. Die Wahrheit ist allerdings, dass es multiple Musen gibt, die uns gleichzeitig inspirieren und sogar kommen und gehen, je nach Bedarf des Momentes. Woher weißt du, wann du eine Muse getroffen hast? Es ist eine Kraft, die dich mutig macht. Mutig genug, deinen Horizont der Kreativität zu erweitern und anzureichern. Die Anwesenheit dieser Kraft wird deine Selbstzweifel ausradieren und dich motivieren deinen Gedanken und Gefühlen Form zu verleihen. Solltest du deiner Muse entkommen, gibt es Schritte, die du gehen kannst, um die Chance zu erhöhen unter ihren inspirierenden Einfluss zu kommen.

Was du tun kannst, um deine Muse zu finden

  • Umgebe dich mit Gleichgesinnten.
  • Achte auf einen kreativen Arbeitsplatz — dein Kreativplatz.
  • Vertiefe dich in verschiedenen Kulturen, wie z.B. das Alte Griechenland.
  • Lies viel und ausgewogen.
  • Meditiere.
  • Verbring Zeit in der Natur.
  • Bewege deinen Körper auf natürliche Art und Weise.
  • Such dir kreative Orte.
  • Achte auf die Schönheit — sie ist in allem.

All diese Schritte bauen eine Brücke zu deiner Muse und du wirst bei Zeit mit ihr interagieren.

Muse gefunden, was jetzt?

Sobald du deine Muse identifiziert hast, nimm sie an und lass dich fallen in ihrer kreativen Unterstützung. Ich gehe sogar so weit zusagen, dass du ihre Präsenz in deinem Alltag bewusst fordern solltest. Es ist egal, was du erschaffst. Du wirst sehen, dass weder Angst noch deine innere Chaotin in dieses Hochgefühl vordringen können. Denn dieses wundervolle Hochgefühl geht Hand in Hand mit dem Prozess eine kreative Idee in etwas umzuwandeln, woran sich die ganze Welt erfreuen kann.

Let it flow! Möchtest auch du dir den Traum vom eigenen Roman verwirklichen? Wir zeigen dir, wie man kreative Gedanken in Schreibprozesse kanalisiert. Lerne mit uns Schritt für Schritt dein Buch zu schreiben.

Jetzt am Wortreich Campus anmelden